FMX 2013: Die Bilanz

fmx2013_007Gestern Abend ging Europas einflussreichste Konferenz für digitales Entertainment mit der restlos ausverkauften Preview des Comic-Action-Highlights Iron Man 3 zu Ende – und die FMX 2013 zieht auch in diesem Jahr eine erfolgreiche Bilanz. Mehr als 3.200 Konferenzteilnehmer strömten an allen vier Veranstaltungstagen ins Haus der Wirtschaft, das Gewerkschaftshaus und die Gloria-Kinos. Die Konferenz lockte unter dem Motto „Lean, smart and agile“ mit Branchenexperten, Produzenten, Kreativen und Studierenden aus 46 Ländern wieder ein sehr internationales Fachpublikum nach Stuttgart. Knapp zwei Drittel der Konferenzteilnehmer waren dabei Professionals – ein neuer Höchstwert.

Niels Rinke, seit 2012 Managing Director der FMX und zuvor selbst lange Jahre in der Industrie tätig, zum diesjährigen Erfolg: „Dank ihrer interdisziplinären Ausrichtung war die FMX 2013 eine hervorragende Plattform, um Industrie, Ausbildung und Forschung zusammenzubringen. Dabei repräsentiert sie gemeinsam mit dem Internationalen Trickfilm-Festival Stuttgart und dem Animation Production Day den Wandel im Medienmarkt wie keine andere Veranstaltung.“


Zu den Programm-Highlights zählten unter anderem die mit Spannung erwarteten Keynotes von Erfolgsautorin Cornelia Funke und Disney Pixar-Regisseur Saschka Unseld, die hochkarätig besetzen Panel-Diskussionen zum Strukturwandel der Animations- und VFX-Branche sowie die deutlich ausgebauten Games- und Transmedia-Reihen mit Schwerpunkten wie Indie Games und World Building. Der lebhafte Marketplace verzeichnete in diesem Jahr dank der spannenden Mischung aus klassischen Firmenständen, innovativen Forschungsprojekten und interaktiven Medieninstallationen einen neuen Besucherrekord, und auch im Recruiting Hub und auf dem School Campus nutzten Fachleute, talentierte Bewerber, Professionals und Studierende die Gelegenheit zum intensiven Gedankenaustausch und „Networken“. Die Workshops waren oft bis auf den letzten Platz gefüllt. In den neu ins Leben gerufenen CEO Summits und Transmedia Labs kamen Entscheidungsträger auf der FMX auch erstmalig zu vertraulichen Gesprächen ohne Publikum zusammen. Main Partner der Konferenz waren in diesem Jahr das Animation Media Cluster Region Stuttgart (AMCRS) und Autodesk.



Zahlen und Fakten: Referenten und Teilnehmer

289 Referenten aus 23 Ländern, davon jeder vierte aus Deutschland, hielten in zehn parallel bespielten Räumen insgesamt 292 Präsentationen, Workshops und Masterclasses, diskutierten in Panels und kuratierten Programmreihen. Knapp zwei Drittel der gut 3.200 Konferenzteilnehmer, von denen gut die Hälfte zum ersten Mal die FMX besuchte, waren Professionals, gut ein Drittel der Teilnehmer Studierende. Dies erklärt sich – wie auch der minimale Rückgang beim Blick auf die Gesamtteilnehmer – in erster Linie durch die räumlich bedingte Verkleinerung des School Campus, der den internationalen Trend mit 20 Schulen aus drei Kontinenten bestätigte. Wie im Vorjahr reiste rund jeder dritte Konferenzteilnehmer aus dem Ausland an. Die meisten nicht-deutschen Teilnehmer kamen aus Großbritannien, den USA und Kanada, Österreich und der Schweiz, gefolgt von den Benelux-Ländern, Frankreich und Skandinavien. Auch der Rekordwert der weiblichen Konferenzteilnehmer aus dem letzten Jahr wurde eingestellt: Gut 26% der Teilnehmer waren Frauen, bei den Studierenden lag der Anteil sogar bei 34%. Weit über 100 akkreditierte Journalisten sind ebenfalls ein neuer Höchstwert. Im Live-Stream auf der FMX-Website schalteten im Vergleich zu 2012 noch mehr User ein: Über 17.000 Zuschauer verfolgten die Konferenz per Mausklick aus allen Teilen der Welt. Insgesamt wurden dabei rund 200.000 Live-Stream-Minuten abgerufen.



Zahlen und Fakten: Firmen, Schulen und Aussteller


Im Forum waren insgesamt 79 Partnerfirmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen aus 13 Ländern vertreten. Der an allen vier Veranstaltungstagen sehr gut besuchte Marketplace, auf dem 26 Industriepartner und Forschungseinrichtungen ausstellten, verzeichnete auch dank der zahlreichen innovativen R&D-Projekte, denen in diesem Jahr mehr Raum als je zuvor eingeräumt wurde, einen neuen Besucherrekord. Zu sehen gab es neben dem eindrucksvollen Kamerakran „Technodolly“ und aktuellen Hardware- und Softwarelösungen auch 3D-Drucke der beliebten Rollin‘ Safari-Tiere aus den diesjährigen FMX-Trailern. Mit den Medieninstallationen Digital Forest und Tesla Arcade wurden auch zwei interaktive Projekte von Studierenden ausgestellt. Im Foyer des Hauses der Wirtschaft zeigten 15 internationale Digital Artists 30 Kunstwerke zum Thema Concept Art. Im Recruiting Hub hielten 20 Firmen, darunter Global Player wie Crytek, Double Negative, MPC und die Walt Disney Animation Studios, aber auch sechs Firmen aus Baden-Württemberg Ausschau nach Bewerbern. Beim erstmalig initiierten Pitching-Format „Fast Forward Education“ präsentierten 14 Schulen in fünfminütigen Slots ihre besten Projekte und generierten damit nicht nur bei den Recruitern der großen Firmen, sondern auch bei den Teilnehmern des Animation Production Day großes Interesse. 21 oft bis auf den letzten Platz besetzte Workshops von Marktführern wie Autodesk und Adobe, die beliebten Masterclasses „Acting for Animators“ mit Ed Hooks und „Improvising Animators“ mit Dörthe Eickelberg sowie eine mit Workshops und Live-Demonstrationen bespielte Company Suite von Autodesk komplettierten das diesjährige Forum.



Der Paradigmenwechsel: Wie geht es mit der Branche weiter?


Der in diesem Jahr thematisch sehr prägende Strukturwandel und die aktuelle Debatte, wie es in Zukunft mit der Animations- und Effekt-Industrie angesichts von Firmenpleiten, Preiskampf und schwierigen Arbeitsbedingungen weitergeht, wurde in zahlreichen Vorträgen und hochkarätig besetzten Panels intensiv thematisiert. Branchenkenner und Entscheidungsträger der wichtigsten Animations-, VFX- und Spielefirmen diskutierten neben Distributions- und Finanzierungsfragen vor allem die Konsequenzen, Herausforderungen und neuen Möglichkeiten der zunehmenden Forderung nach Flexibilität von digitalen Medienproduktionen. Zu den Rednern zählte auch Ed Ulbrich, CEO von Digital Domain, der in seinem inspirierenden „State of the industry“-Vortrag neue Geschäftsmodelle vorstellte und damit für viel Aufmerksamkeit sorgte. Zu den weiteren Referenten zählten unter anderem Jon Peddie (Jon Peddie Research), David Morin (Autodesk), Ludwig von Reiche (NVIDIA ARC), Andy Orrick (The Mill) und Ken Perlin (NYU). Während die Meinungen zu den besten Strategien für langfristigen Erfolg und das wirtschaftliche Überleben auseinander gingen, wurde bei vielen Referenten und Panel-Teilnehmern der Wunsch nach einer global aufgestellten Trade Association deutlich, bis zu deren Gründung aber noch viele Fragen geklärt werden müssen.



Visual Effects: Leinwandspektakel mit krönendem Abschluss


Krönender Abschluss der diesjährigen VFX-Reihe, die sich von Case Studies, Concept Art, Concept Design und VFX in Commercials bis hin zur Pre- und Postproduktion erstreckte, war zweifellos die Preview der neusten Marvel-Comicverfilmung Iron Man 3, die am 1. Mai in den deutschen Kinos startet und zu der am Freitagabend über 500 Referenten, Besucher und Partner der FMX und des Internationalen Trickfilm-Festivals ins Gloria-Kino strömten. Zuvor hatten Weta Digitals VFX Supervisor Guy Williams und Animation Supervisor Aaron Gilman in ihrer gemeinsamen Präsentation über die beeindruckende finale Schlachtsequenz auf dem Hafengelände referiert. Andrea Block von den Stuttgarter Luxx Studios illustrierte die Effekte im neuen Roland Emmerich-Film White House Down, der im September in den Kinos anläuft. Ebenfalls im Blickpunkt standen der aktuelle Tom Cruise-Film Oblivion, die Zombie-Romanze Warm Bodies und Guillermo del Toros mit Spannung erwarteter Sci-Fi-Actioner Pacific Rim. Weitere Vorträge widmeten sich der atemberaubenden Titelsequenz des jüngsten James Bond-Abenteuers Skyfall und Ang Lees visuellem Spektakel Life of Pi, das im Februar den Oscar für die besten visuellen Effekte gewann. Einer der prominentesten Referenten des Jahres war Kim Libreri, Chief Strategy Officer bei Lucasfilm, der für die Effekte in den drei Matrix-Filmen verantwortlich zeichnete und Executive Director Eric Roth in einem Interview der Reihe „VES Specials“ Rede und Antwort stand.



Animation: Regnerisch und wild


Passend zum verregneten Veranstaltungstag stand am Freitagmittag die Keynote von Regisseur und Drehbuchautor Saschka Unseld (Disney Pixar Animation Studios) auf dem Programm, der den FMX-Besuchern seinen in zwei Monaten im Kino startenden Kurzfilm The Blue Umbrella zeigte. Unseld sorgte für einen wahren Besucheransturm und gab nach seinem Vortrag noch über eine halbe Stunde Autogramme. Sowohl die König-Karl-Halle als auch das angrenzende Foyer, in das Film und Präsentation per Leinwand live übertragen wurden, waren bis auf den letzten Platz gefüllt. Pixar-Kollege Alexander Nehls widmete sich den Simulationsprozessen in Merida, der im Februar mit dem Oscar als „Bester Animationsfilm“ ausgezeichnet wurde. Zu Blue Skys Epic – Verborgenes Königreich gab es gleich drei Präsentationen. Zu den Animations-Highlights zählte auch das Steinzeitabenteuer Die Croods, das am Freitagabend in der König-Karl-Halle als Abschluss-Screening gezeigt wurde, Disney’s Ralph reicht’s und ein 3D Stereo-Vortrag zu Tim Burtons Stop-Motion-Film Frankenweenie. Auch zu Ich – Einfach unverbesserlich 2 stand ein Vortrag auf dem Programm: Bereits zwei Monate vor dem offiziellen Kinostart luden Mac Guff Illuminations CEO Jacques Bled und Animation Director Pierre Leduc das Publikum zu einer Begegnung mit den beliebten Minions ein. Die von Andreas Hykade kuratierte „Wild ’n Strange“-Reihe hingegen stellte ausgefallene Indie-Highlights fernab des Mainstreams vor.



Die Welt der Spiele: Top-Seller, Indie Games und bildungsfördernde Ansätze


Die Entscheidung, den Games-Bereich in diesem Jahr deutlich auszubauen, fand bei den Konferenzteilnehmern großen Anklang: Neben populären Spiele-Hits wie Crysis 3, dem neuen Tomb Raider-Reboot, Assassin’s Creed 3, der Gears of War-Reihe und zwei Präsentationen zu Halo 4 stand auch die Reihe „Indie Games“ auf dem Programm, die dank der Unterstützung von Swiss Arts Council Pro Helvetia realisiert werden konnte. Eröffnet wurde der Track von Eddo Sterns Keynote „The Perversity of Games“, in der der Künstler und Gamedesigner die Relevanz und das Potenzial von Indie-Entwicklungen und Gamedesign sowie dessen kulturellen Einfluss unterstrich und erläuterte, warum Kunst der bessere Innovationsmotor als reines Business ist. In weiteren Vorträgen wurden Aspekte wie Motion Control und Crowdfunding diskutiert. Die Initiative „Games for Change Europe“, die Unterhaltung mit sozialem Engagement in Einklang bringt, brachte den Bertha-Benz-Saal im Haus der Wirtschaft an seine Kapazitätsgrenzen: Die vorgestellten Spiele thematisieren humanitäre Fragen wie weibliche Genitalverstümmelung oder Kinderprostitution, bipolare Störungen und weitere soziokulturelle Themen. Im Vordergrund steht dabei nicht nur der Spaß, sondern ein bildungsfördernder Ansatz.



Cornelia Funke und ihre Welt hinter dem Spiegel


Gefragteste Gesprächspartnerin war in diesem Jahr die international erfolgreichste deutsche Kinderbuchautorin: Cornelia Funke präsentierte gemeinsam mit Producer Andy Merkin von den Mirada Studios die gemeinsam entwickelte App zu ihrer aktuellen Romanreihe Spiegelwelt. Funkes mit Spannung erwartete Keynote eröffnete die von Inga von Staden (Filmakademie Baden-Württemberg) kuratierte Programmreihe „Transmedia Experiences“. Funke fand in ihrer Präsentation klare Worte und distanzierte sich von den bisherigen Verfilmungen ihrer Bücher, die den Bildern in ihrem eigenen Kopf nicht gerecht würden. Die App hingegen entführe den Benutzer in eine „lebende, atmende Welt“, die es der Autorin ermögliche, ihren Lesern die im Kopf kreierten Bilder noch viel konkreter und treffender zu vermitteln. Funke verglich die Spiegelwelt-App mit einem „Reiseführer“, auf den der Leser bei der Lektüre der Romane jederzeit zurückgreifen könne, wenn er mehr über die Welt hinter dem Spiegel erfahren wolle. Abschließend kündigten Funke und Merkin an, die erfolgreiche Kooperation fortzusetzen und eine gemeinsame Firma zu gründen. Daran zeigt sich exemplarisch das Potenzial erfolgreicher Transmedia-Arbeit: Die Kollaboration zwischen Kreativen und Technik-Experten bei der Entwicklung und Produktion eröffnet im Hinblick auf das World Design völlig neue Dimensionen und liefert innovative Formate.


Die FMX 2014 findet vom 22. bis 25. April in Stuttgart statt.

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